wet wings

Studio Hanniball Event Exhibition wet wings

solo show with Paula Breuer

When the creature emerges from the larva, awkward and unsteady, its sticky wings are already there, yet still too fragile to fly. It is a state of metamorphosis and departure, but also one of uncertainty and vulnerability.

Paula Breuer’s works explore delicate emotional processes of development and the transition between childhood and early adulthood: those formative years in which identities, relationships, and self-images remain in constant flux, and in which one’s wings do not yet seem fully prepared for the world.

Breuer’s starting point lies in observations, lived experiences, dreams and daydreams, as well as fictional narratives and free associations. The artist herself repeatedly appears as a figure within her works, inhabiting shifting roles and states of shame or curiosity, insecurity, disappointment, or longing. Her visual worlds are at once intimate and theatrical. Life unfolds as a kind of staging, a sequence of peculiar scenes in which reality and imagination overlap, marked equally by tenderness and estrangement. Her figures inhabit different roles as if observing themselves in the act of living. In this curious simultaneity of authenticity and performance, the works evoke an absurdist play or a Truman Show-like reality, where the rules of everyday life appear strange and open to question.

This sense of process shapes not only the narratives within the works but also Breuer’s artistic practice. Drawing and painting exist in an open and fluid relationship. Sketches do not merely function as preparatory studies but become autonomous works in their own right. Some are assembled collage-like from disparate image fragments. Motifs, thoughts, and situations overlap and migrate from one plane to another, following a dreamlike logic or the intuitive pathways of associative thinking. The site-specific wall drawings extend this approach into space itself. Appearing like oversized sketches, they resemble the enlarged shadow of an idea for another work, or perhaps its stage set.

Melancholy runs throughout Breuer’s practice, yet her images and figures create a space of refuge for it: a fictional realm in which this emotion can be named, processed, and made visible. Here, melancholy seems at ease; it is neither dramatized nor resolved. Instead, it moves through an emotional landscape shaped by self-irony, longing, and vulnerability. Breuer’s figures are searching, sometimes lost, defiant, or humorous and inhabit those spaces where personal feelings become narratives, akin to digital diaries or a romanticized imagination of failure. It is precisely within this ambiguity that the works achieve their particular intimacy.

Alongside works on paper and canvas, several papier-mâché figures populate the exhibition space. An oversized insect encounters smaller human figures with elongated limbs and adult faces. They recall adolescents who seem already to have outgrown their bodies, yet still do not know what to do with themselves. The insect, meanwhile, functions as an ambiguous cipher. Oscillating between fascination and repulsion, familiarity and otherness, it points toward questions of identity, self-alienation, and belonging. The association with Kafka’s The Metamorphosis is, of course, ever present. The human appears as an animal, the animal as a mirror of human states of being. Animals recur in other works as well: grasshoppers, crabs, and other creatures that share humanity’s habitat. Their bodily forms find echoes in Breuer’s figures in those elongated legs, grasping hands, or protective shells.

Wet Wings is concerned with transformation and the uncertainties that accompany it. About the feeling of not yet having arrived, even as transformation is already underway. About the beauty and vulnerability of a moment in which the wings already exist, and only the act of flight remains to come.

text by Verena Osthoff

DE:

Wenn aus der Larve das Tier schlüpft, ganz unbeholfen, sind die klebrigen Flügel bereits vorhanden, aber sie tragen noch nicht. Es ist der Zustand der Metamorphose und des Aufbruchs, zugleich aber auch einer der Unsicherheit und Verletzlichkeit.

Die Arbeiten von Paula Breuer erzählen von fragilen und emotionalen Entwicklungsprozessen, dem Übergang zwischen Kindheit und frühem Erwachsenenalter; von jenen Jahren, in denen Identitäten, Beziehungen und Selbstbilder in ständiger Bewegung sind und die Flügel noch nicht ganz bereit für die Welt erscheinen.

Ausgangspunkt sind Beobachtungen, Erlebnisse, Träume und Tagträume ebenso wie fiktionale Geschichten und freie Assoziationen. Immer wieder taucht die Künstlerin selbst als Figur auf, in wechselnden Rollen und Zuständen von Scham oder Neugier, Unsicherheit, Enttäuschung oder Sehnsucht. Breuers Bildwelten wirken intim und theatral. Das Leben erscheint als Inszenierung, als eine Abfolge wunderlicher Szenen, in denen sich Realität und Vorstellung überlagern, geprägt von Zärtlichkeit und Fremdheit. Die Figuren probieren sich in Rollen, als würden sie sich selbst beim Leben zusehen. In dieser eigentümlichen Gleichzeitigkeit von Authentizität und Inszenierung erinnern die Arbeiten an ein absurdes Theaterstück oder an eine Truman Show, in der die Regeln des Alltags fremd und fragwürdig erscheinen.

Die Prozesshaftigkeit prägt nicht nur die narrativen Inhalte, sondern auch Breuers Arbeitsweise. Zeichnung und Malerei stehen in einem offenen Verhältnis zueinander. Skizzen dienen nicht ausschließlich als Vorstufen, sondern werden selbst zu eigenständigen Werken. Einige Arbeiten setzen sich collageartig aus unterschiedlichen Bildfragmenten zusammen. Motive, Gedanken und Situationen überlagern sich, springen von einer Ebene zur nächsten und folgen einer Logik, wie im Traum oder intuitivem, assoziativem Denken. Die in situ entstandenen Wandzeichnungen erweitern diesen Ansatz in den Raum hinein: Sie erscheinen wie überdimensionierte Skizzen und wirken ein wenig wie der große Schatten der Idee für andere Arbeiten oder ihr Bühnenbild.

Melancholie zieht sich durch Breuers Arbeiten, wobei die Bilder und Figuren dieser einen Schutzraum schaffen: einen fiktiven Ort, an dem jene Emotion benannt, verarbeitet und sichtbar wird. Sie scheint sich dort wohlzufühlen und wird weder dramatisiert noch aufgelöst. Stattdessen bewegt sie sich in einer emotionalen Landschaft zwischen Selbstironie, Sehnsucht und Verletzlichkeit. Breuers Figuren in ihr sind suchend, manchmal verloren, trotzig oder komisch und agieren innerhalb jener Orte, an denen persönliche Gefühle zu Narrativen werden: wie in digitalen Tagebüchern oder einer romantisierten Vorstellung des Scheiterns. Gerade in dieser Ambivalenz entfalten die Arbeiten ihre besondere Nähe.

Neben Arbeiten auf Papier und Leinwand bewohnen einige Pappmaché-Figuren den Ausstellungsraum. Ein überdimensioniertes Insekt trifft auf kleinere menschliche Gestalten mit überlangen Gliedmaßen und erwachsenen Gesichtern. Sie erinnern an Jugendliche, die ihrem Körper bereits entwachsen scheinen und doch noch nicht wissen, wohin mit sich. Das Insekt indessen fungiert als vieldeutige Chiffre.

Zwischen Faszination und Abstoßung, Vertrautheit und Fremdheit verweist es auf Fragen von Identität, Selbstentfremdung und Zugehörigkeit. Die Assoziation zu Kafkas Verwandlung ist natürlich präsent. Der Mensch erscheint als Tier, das Tier als Spiegel menschlicher Zustände. Auch in anderen Arbeiten treten Tiere auf: Heuschrecken, Krebse oder andere Wesen, die den Lebensraum des Menschen teilen. Ihre Körperformen finden ein Echo in den Figuren, in langen Beinen, greifenden Händen oder schützenden Panzern.

Wet Wings handelt von Übergängen und Zwischenzuständen. Vom Gefühl, noch nicht angekommen zu sein, obwohl die Verwandlung bereits begonnen hat. Von der Schönheit und Verletzlichkeit eines Moments, in dem die Flügel schon existieren, nur das Fliegen noch aussteht.

Text: Verena Osthoff

Fotos by Anton Fischer

Opening 25. Jun 6:00 PM